Mir fehlen
die Worte, denn damit habe ich so kurz vor Weihnachten nicht gerechnet, das ich
noch so eine Entscheidung treffen muss.
Vor 16
Jahren am 6.10.2000 trafen wir zum ersten mal zusammen. Du Stands auf der
Weide, zwischen all den anderen. Eher unscheinbar und etwas abgemagert. Du
warst zu verkaufen, weil du kein Touristen Pferd werden konntest. Du hattest
eine Macke, die für Anfänger lebensgefährlich werden würde.
Jim in Dänemark am 6.10.2000 |
Unser erster gemeinsamer Ausritt |
Wir haben
unseren allerersten Ausritt zum Strand in Dänemark gemacht. Auf dem Weg durch
die Dünen gab es mehrere Stellen an dem du einfach Umdrehen wolltest. Die
Reitlehrerin sagte mir aber rechtzeitig bescheid, so das ich immer Reagieren
konnte. Und ich dich nicht abhauen, lies. Dann ging es über die Düne zum Meer
runter. Man sagte mir, dass du nicht ins Meer gehst. Aber die anderen schon.
Wir haben es allen gezeigt, wir beiden standen im Meer und nicht die anderen.
Da war mir und dir klar, wir gehören zusammen. Wir hatten uns nicht wirklich
gesucht aber trotzdem doch gefunden. Du kamst mit nach Deutschland, 10 Stunden
sind wir nach Hause gefahren. Dann musstest du das erste mal in deinem Leben in
eine Box. Das gefiel dir nicht, aber du hast gut angenommen und warst über
Jahre glücklich da. Meine Lebenssituation änderte sich und wir mussten ein paar
mal gemeinsam den Stall wechseln. Bis wir dann in Südkirchen standen, wo es mir
selbst schon gesundheitlich so schlecht ging, das ich auf der Liste stand für
eine neue Lunge. Ich wusste damals nicht, ob ich das alles je überleben werden.
Ob wir das alles zusammen packen würden. Dann kam die Transplantation bei mir
und du warst gut versorgt. So das ich mich in aller Ruhe erholen konnte. Du
merktest schnell, als ich wieder da war, dass es mir wieder gut ging. Und nun
wolltest du das ich mich wieder alleine um dich kümmer. Das hast du eindeutig
in deinem Verhalten zu den Reitbeteiligungen gezeigt. Mir blieb nur die Wahl zwischen,
dich verkaufen oder umstellen. Zum Glück lass ich die Anzeige von dem
Offenstall. In dem du bis gestern glücklich standst. Wir zogen um, während ich
sogar eine Lungenentzündung hatte. Es war mir in dem Moment egal, ich wollte
das es dir auch wieder besser geht. Am neuen Stall hast du dich schnell gut
eingewöhnt. Du hattest am Anfang zwei Stuten mit in deiner Gruppe. Später wart
ihr nur noch zu zweit. Aber Birka, deine große Liebe, war Schwanger und
erwartet im April 2014 ihr Fohlen. Der Luke kam am 20.4.14 zur Welt und du warst
dabei. Leider wurde Luke verletzt, so das er vier Wochen als Fohlen in der
Klinik verbringen musste. In der Zeit warst du in der Box vorne bei den anderen
beiden untergebracht. Du warst ganz aufgebracht, weil du nicht bei Birka sein
konntest. Dann aber als die Wiese endlich öffnete, durfest du zu Birka und
ihrem kleinen Luke. Die erste Woche durfte Luke nicht zu dir aber Birka Vertraute
dir sehr schnell und war froh das sie den kleinen Racker auch mal ein paar Minuten
aus den Augen lassen konnte. Denn sie wusste das er bei dir sicher ist. Luke und
du ihr seit gemeinsam älter geworden. Du warst für Luke ein echter Papa!
Irgendwann kam der Zeitpunkt da musste Birka gehen. Birka geht es jetzt gut, da
wo sie jetzt ist, im neuem Stall. Du und Luke habt nun die Zeit zu zweit
verbracht. Bis zum Sommer 2015, dann kam ein neuer Kumpel zu euch. Er dauerte
ein paar Wochen, bis ihr euch angefreundet hattet. Aber irgendwie war diese
Gruppe nicht das Richtige. Du wurdest aus deiner Hütte im Hochsommer rausgejagt.
Und das wo du doch immer nur Schatten wolltest, weil das blöde Sommerexzem dich
genervt hat. Später dann im Winter im Offenstall, war es so, das du nicht mehr
in den Stall durftest. Du musstest draußen schlafen, hattest Angst in den Stall
zu gehen. Du wurdest gebissen und bist vor Panik abgehauen. Da habe ich für
dich einen neuen Stall gesucht, weil ich dich nicht leiden lassen wollte. Die
Besitzerin von dem Kumpel war so einsichtig und ging mit ihm. Dann kehrte
wieder ruhe ein. Ihr zwei wart wieder glücklich. Im Sommer 2016 kam der nächste
neue Kumpel, diesmal dauerte es etwas länger, bis er auch nur ansatzweise in
eure Zweier Gruppe gehörte. Zum Ende der Zeit standet ihr aber alle drei in der
Hütte. Bis es dann im Winter wieder in den Offenstall ging. Nun warst du
derjenige, der den anderen immer vor die Tür setzte. Der ihn nicht in den Stall
ließ. So das für den anderen ein Unterstand draußen gebaut wurde. Trotzdem hast
du ihn nicht in ruhe gelassen, besonders beim Futter nicht. Da kanntest du
keine Freunde mehr. Du warst der verfressenste Kerl, den ich kannte. Nun kam es
so, das der andere eines morgens mit Verletzungen im Stall stand. Er musste
getackert werden und ab den Tag an, durfte er nicht mehr zu euch. Zwei Tage
später am Sonntag 18.12. sind wir beiden als Weihnachtsmann verkleidet zu einer
Kinderweihnachtsfeier gelaufen. Die Kinder hatten ihre helle Freude an dir.
Jeder durfte auf dir Reiten. Als sie dir zum Dank Möhren gaben, hast du sie
nicht gefressen. Da habe ich mich gefragt war mit dir ist? Hast du
Zahnschmerzen?
![]() |
Am 30.10.2005 in Handorf (Münster) |
Wir gingen
zurück zum Stall und du hingst wie ein Schluck Wasser in der Kurve da. Ganz
untypisch für dich. Du wolltest noch nicht mal mehr dein Futter fressen. Ich
stellte dich in den Stall, wo du dich direkt hingelegt hast. Da war mir klar,
du hast eine Kolik (Bauchschmerzen). Wir ließen den Tierarzt kommen. Du bekamst
Schmerzmittel und was zum Entkrampfen. Und dann musstest du in die Box, neben
den anderen, der ja Verletzt war. Das war dann wohl dumm gelaufen. Du fandest
die Box schrecklich und machtest nur Terror darin. Ich bin an dem Abend noch
zwei mal gekommen um mit dir spazieren zu gehen. T. und S. haben es in der
Nacht mit dir gemacht. Am nächsten morgen ging es dir nicht wirklich besser.
Ich lies dich wieder zu Luc und du legtest dich erneut direkt wieder hin. Also
rief ich wieder den Tierarzt. Wieder Spritzen und dir in Popo fassen. Du hast
wieder eine Kolik, aber wohl auch eine Magenschleimhautentzündung. Somit ging
es für dich direkt wieder in die Box, du durfest Nix fressen. Am Dienstag bekamst
du 3 x am Tag Heukopps eingeweicht. Das mochtest du nicht wirklich. Auch
Dienstag gingen wir beiden immer wieder spazieren. Am Mittwoch konnte ich erst
gegen 15 Uhr zum Stall kommen. Den Ganzen morgen bekamst du jede Stunde ein
bisschen Heu angeboten. Du hast es nur sehr zaghaft gefressen. Als ich da war,
stellte ich dich zu Luc wieder rüber. Was machst du? Du legst dich wieder hin.
Ich machte mir solche Sorgen um dich, ich litt richtig mit dir. Es tat mir im
Herzen weh, dich so da liegen zu sehen und dir nicht wirklich helfen zu können.
Ich wollte dich erlösen von den Schmerzen. Aber die Tierärztin sah es anders
und meinte es geht dir noch zu gut, um dich zu erlösen. Die gab dir am Mittwochabend
erneut spritzen gegen Schmerzen und entkrampfen. Die Nacht ging irgendwie rum,
am Donnerstag morgen als ich um 9 Uhr bei dir war, standest du auf dem
Sandplatz und wieherst mich an. So als ging es dir besser. Ich gab dir ein
bisschen Heu, was du auch ein bisschen gefressen hast. Aber nicht so, wie ich
dich kannte. Ich rief erneut die Tierärztin an, die mich ernsthaft fragte, ob
sie kommen soll. Oder ob es nicht reicht, wenn ich mit dir laufen gehen. Ich
bestand darauf das sie kommt. Sie kam und meinte wieder, du siehst gut aus. Sie
machte diesmal eine Magenspülung. Ich wollte das sie dich erlöst. Sie sagte mir
immer noch, dass es dir zu gut geht. Ich kann dich erschießen lassen und als
Futter im Zoo verfüttern lassen. Das war meine Alternative. Das aber war nicht
die Vorstellung, wie ich dich gehen lassen wollte. Sie gab dir wieder
Schmerzmittel und was zum Entkrampfen. Ne Stunde später lagst du wieder nur im
Stall. Du hattest Schmerzen ohne ende. Nun endschloss ich mich, mit dir in die
Klinik zu fahren, den deine Schleimhäute wurden schon gelb. Was ja auch ein
Leberversagen hindeutet.
Du gingst
toll auf den Hänger, aber die Fahrt über hast du echt unruhig gestanden.
Wahrscheinlich weil du vor Schmerzen nicht stehen konntest. In der Tierklinik
angekommen, wurde dir als erstes Blut abgenommen, dann wurde dir wieder in den
Popo gefasst. Dabei fühlte die Tierärztin einen großen Ball in deinem Körper,
der da nicht hingehörte. Sie machte noch mal ein Ultraschall, um es genau zu
sehen. Anschließend wurde noch mal in deinem Magen geschaut. Dein Magen war
furz leer, deine Blase war leer und Stuhl hattest du auch keinen mehr im Darm.
Die
Blutwerte zeigten das deine Leber Werte fast um das 3 Fache erhöht waren. Mir
war klar, das du das hier nicht mehr schaffen wirst. Es wurde noch ein
Ultraschall vom Bauch gemacht, dazu mussten sie dir dein dickes Fell am Bauch
noch Scheren. Was nicht so leicht war, für die armen Mädels da. Aber du hast
alles über dich ergehen lassen. Du warst so ein lieber Kerl bei den ganzen
Untersuchungen. Ich glaube du wusstest, was wir dir helfen wollten. Du hast
seit Sonntag nicht mehr richtig gefressen und getrunken. Was für ein Pferd wie
dich nicht gut ist. Du fängst dann an zu übersäuern.
Die
Tierärztin redetet ganz offen mit mir und sagte, dass sie keine Chance mehr für
dich sieht. Das sie dich gehen lassen würde. Wenn ich es denn wollte. Ganze
Ehrlich, mein lieber Jim, ich wollte dir endlich die Schmerzen nehmen. Ich
wollte das du endlich Ruhe hast. Ich entschloss mich, dich noch an dem Abend
über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen.
Du bekamst
noch einen Zugang, über den du die letzten Spritzen bekamst. Bevor du aber
gehen durftest, habe ich dir noch zwei Möhren geben, damit du wenigsten mit
einem Möhren Geschmack im Maul von uns gehst. Du hast sie mit Hingabe gefressen.
Wenigstens das!
Wir gingen
raus auf ein Stück Wiese, dort durftest du auch noch mal Grasen. Was du auch
versucht hast. Dann bekamst du eine Schlafspritze und du wurdest immer unsicherer
im Stehen, so das du irgendwann zu Boden gingst. Es sah aus als wolltest du
dich hinsetzten, dann legtest du dich auf die Seite. Ich hatte das Gefühl, das
du erleichterte warst. Nun kam die letzte Spritze ...
... noch
drei mal tief einatmen und deine Seele hat deinen voller schmerzerfüllten
Körper verlassen. Ich war bis zum letzten Atmenzug bei dir mein Junge. Ich bin
so dankbar, das ich dich auf diesem schweren Weg begleiten durften. Ich hatte
immer Angst, das ich vor dir gehe. Aber so ist es mir lieber.
Mach es gut
mein alter Junge. Wir waren ein unzertrennliches Team. Du warst für mich der Fels
in der Brandung, bei dir konnte ich abschalten und Kraft tranken. Du wirst mir
auf ewig in meinem Herzen bleiben und für immer fehlen.
Jim du
wirst so vielen Menschen fehlen, die dich kannten. Du hast einen bleiben
eindruck hinterlassen. Ich danke dir für die schöne Zeit mir dir!
...
irgendwann sehen wir uns wieder und dann Reiten wir über die Wolken ...
Ruhe in
Frieden mein Döner!!!!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Danke für dein Kommentar... dickydackel